Umfragen in der Schweizer Bevölkerung bestätigen, dass eine überdeutliche Mehrheit handyfreie Schulen klar befürworten. Nun nimmt Nidwalden eine Vorreiterrolle ein und verbietet als erster Kanton Handys an den Schulen.

Auf die Frage «Befürworten Sie ein generelles Verbot von Handys an Schulen?» antworteten 82 % mit Ja bei einer repräsentativen Umfrage unter 2754 Personen ab 18 Jahren aus der deutsch- und französischsprachigen Schweiz – publiziert Anfang 2025 im Generationen-Barometer 2024/25. Die Forderung einer handyfreien Schule bestätigten in der Live-Abstimmung «Handyverbote an Schulen: Eine gute Idee?» von CH Media im Mai diesen Jahres mit 86% der 2258 der Umfrageteilnehmenden.
Die Schulen müssen entscheiden
Im Gegensatz zu Frankreich, wo bereits seit 2018 ein landesweites Handyverbot in allen Schulen für Schüler von 3 bis 15 Jahren gilt, ist die obligatorische Schule in der Schweiz föderalistisch organisiert. Dem Ruf der Bevölkerung zu folgen, liegt deshalb in der Verantwortlichkeit der Kantone.
Obwohl in einigen Gemeinden wie Köniz bei Bern, Laufen, Stadt Zug ab kommendem Schuljahr ein Smartphone-Verbot gilt, ist bisher noch kaum ein Kanton so weit gegangen: «Schliesslich könne man sich dem digitalen Wandel nicht verschliessen. Die Schule habe ja den Auftrag, die Schülerinnen und Schüler zu einem selbstbestimmten, sicheren und verantwortungsvollen Umgang mit digitalen Medien zu befähigen.», wie auch der Bildungsdirektor von Nidwalden vermeldet. In Zürich befürwortet die kantonale Bildungsdirektorin zwar ein Handyverbot, jedoch kein politisch verordnetes: «Das müssen die Schulen selbst entscheiden.» Damit steht Zürich bei weitem nicht alleine. Auch in den Kantonen Bern, Luzern, Zug oder Basel haben sich die Regierungsräte gegen eine kantonale Regelung ausgesprochen und die Verantwortung an die einzelnen Schulen abgeschoben.
Wie ist es möglich, der Schulautonomie ein derart grosses Gewicht zu verleihen? Sollte nicht die erwiesene Ablenkung im Unterricht, die verringerte Aufmerksamkeitsspanne und Konzentrationsfähigkeit oder die attestierte Beeinträchtigung des sozialen Umgangs der Schülerinnen und Schüler untereinander aufgrund ihrer Smartphone-Kommunikation, deutlich höher gewichtet werden…
Nidwalden führt Handyverbot an Schulen ein
Als erster Kanton übernahm der Kanton Nidwalden Verantwortung und führte per 1. August 2025 ein generelles Verbot für Smartphones, Tablets, Laptops und ähnliche Geräte in der Volksschule ein – und das in Unterrichtsstunden als auch in den Pausen auf dem Schulareal. Nur in Notfällen oder bei Erlaubnis der Lehrperson explizit für Unterrichtszwecke ist deren Nutzung erlaubt.
Zu recht kann sich die Schweizer Bevölkerung jetzt fragen, wann die anderen Kantone mit einem Handyverbot nachziehen. Wie lange noch können sich die Bildungsdirektionen der anderen Kantone dem Ruf aus der Bevölkerung verschliessen?
Schulen, die ein Verbot eingeführt haben, berichten durchwegs von positiven Erfahrungen, wie in der Presse zu lesen ist. Dem Auftrag der Schule „die jungen Menschen zu einem verantwortungsvollen Umgang mit digitalen Medien zu befähigen“ steht jedenfalls ein Verbot nicht im Wege – wie die Berichte aus den Schulen und Gemeinden mit einem Handyverbot belegen.
Mittlerweile haben auch die Kantone Waadt, Wallis und Aargau ein Handyverbot eingeführt. Die restlichen Schweizer Kantone könnten sich an diesen Vorreitern wie auch an den zahlreichen europäischen Ländern – ausser des Pioniers Frankreich haben bereits beachtlich viele Länder ein Handyverbot an ihren Schulen eingeführt – ein Beispiel nehmen.
Handyverbot in Europa - die wichtigsten EU-Länder:
- Frankreich: Seit 2018 landesweites Verbot in allen Schulen für Schüler von 3 bis 15 Jahren.
- Österreich: Ab 1. Mai 2025 gilt ein bundesweites Handyverbot an Schulen für die unteren acht Klassenstufen.
- Italien: Seit 2024 müssen Schüler an allen Schulen ihre Smartphones am Anfang des Tages abgeben.
- Finnland: Im August 2025 trat in Finnland ein Gesetz in Kraft, welches die Nutzung von Handys in Klassenzimmern verbietet.
- Luxemburg: Ab Ostern 2025 wird ein generelles Handyverbot an Grundschulen gelten. Parallel soll an allen Sekundarschulen ein Handyverbot im Unterricht gelten.
- Niederlande: Seit Januar 2024 sind Mobiltelefone, Tablets und Smartwatches in Klassenzimmern verboten.
- Spanien: In Spanien gilt an Vor- und Grundschulen ein landesweites Handyverbot.
- Ungarn: Seit 2024 sind Handys in Schulen verboten.
Bildungsverantwortliche zum Handyverbot (2025):
• Britische Studie zum Smartphone-Verbot: Lernleistungen bis zu 2 Noten verbessert!
• UNESCO-Bildungsbericht: Smartphone-Verbote weltweit auf dem Vormarsch