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Schweiz: Nun 2000 neue Antennen geplant

08.07.2009

Der Datenverkehr explodiert, es droht der Datenkollaps, berichtet das schweizerische Cash. Waren es im Februar noch 1000 Mobilfunk-Antennen - siehe unseren Bericht unten - , welche die Netzbetreiber in den nächsten 2 Jahren aufgrund von Versorgungsengpässen erstellen wollten, sind es nun 2000 Antennen in den nächsten 18 Monaten.

Bei Swisscom verdoppelt sich das Volumen alle 10 Monate. «Die Schweizer telefonieren und surfen immer mehr mobil», sagt Sunrise-Chef Christoph Brand zu cash. Es braucht zur Bewältigung tausende neuer Antennen.

Die Netzbetreiber rechnen aufgrund des starken Widerstand gegen Antennen bis spätestens in eineinhalb Jahren sogar mit Kapazitätsproblemen, so die Sunrise. Gegen vier von fünf neuen Antennen wird Einsprache eingereicht, gegen jede dritte gibt es ein Beschwerdeverfahren.

Grenzwertsenkungen, wie sie in Liechtenstein und Belgien der Fall sind, würden den Betreibern einen Strich durch ihre Planungen machen, vor allem, wenn auch die EU neue Grenzwerte beschliesst. Schon mit den jetzigen Grenzwerten, müssen beinahe zehn mal mehr Antennen gebaut werden, um dieselbe Leistung wie in den benachbarten Ländern zur Verfügung stellen zu können, so die Argumentation der Netzbetreiber.

Informationen

19.02.2009 DF

1000 neue Antennen geplant >>> [90 KB]

Wie die Schweizer Handelszeitung berichtet, planen Swisscom, Sunrise und Orange den Bau von 1000 neuen Handy-Antennen. Mangelhafte Verbindungsqualität bei Zugreisenden, neue Telefone welche für mehr Datenverkehr sorgen, das Mobilfunknetz an der Kapazitätsgrenze angelangt, werden dabei als Gründe angegeben.

«Wir verdoppeln dieses und nächstes Jahr den Rollout im Antennenbau», wird Sunrise-Manager Roger Schaller laut Recherchen der «Handelszeitung» zitiert. In den vergangenen Jahren baute Sunrise jährlich 200 bis 250 neue Antennen. Für die Jahre 2009 und 2010 bedeutet das je rund 500 neue Antennen. Wobei für eine Mobilfunkantenne laut den Betreibern im Schnitt um die 200000 Fr kostet.

Orange bestätigt ebenfalls den massiven Ausbau: «Wir haben für dieses Jahr den Bau und die Inbetriebnahme von rund 400 neuen Antennen beziehungsweise das Aufrüsten bestehender Antennen geplant», sagt Sprecherin Therese Wenger.

Um Verbindungsprobleme auf SBB-Strecken zu beheben, wird hier gezielt ausgebaut. «Wir erstellen in diesem Jahr verstärkt Mobilfunkanlagen, um die Tunnelversorgung auf der Neubaustrecke Olten-Bern und die Versorgung Lausanne-Bern weiter zu verbessern», erklärt Sprecherin Wenger.

Die Netzbetreiber prüfen ebenfalls die Erneuerung der Repeater in den SBB-Wagen. Seit einigen Jahren sind rund 1100 Bahnwagen mit GSM-Repeater ausgerüstet. Diese empfangen das Funksignal und verteilen es im Zug. Diese Geräte sollen laut Swisscom-Sprecher Schulze voraussichtlich durch ein technisch neueres Modells, einem sogenannten GSM-UMTS/HSPA Repeaters. Eine Überpüfung der Einführung wird ab Sommer erfolgen.

Viele Einsprachen und folgende rechtliche Schritte von Anwohnern stellen sich dem Wildwuchs und auch den Umrüstungsaktionen von GSM auf UMTS bei den heute rund 12000 Antennen entgegen. Swisscom gibt an, dass bei 16% der neuen Antennen Einsprache erhoben wird. Bei Orange sind es gemäss Sprecherin Wenger sogar 70 bis 80%. «Dabei kommt es bei 30 bis 35% der Antennenbauvorhaben zu Gerichtsverfahren.» Sunrise bestätigt lediglich, dass die Einsprachen sich seit Jahren auf hohem Niveau befänden und es zu Gerichtsverfahren in rund 20% der Fälle komme.

Kommentar Diagnose-Funk

Antennen und kein Ende. Das bedeutet für Anwohner wieder eine Unzahl Einsprachen und Gerichtsverfahren deren Ausgang im Regelfall negativ endet. Auch ein Erfolg im Einzelfall löst das Problem im Ganzen nicht. Was aber wiederum nicht heissen soll, dass Einsprachen gegen Mobilfunkantennen nicht sinnvoll sein können. Es bedeutet lediglich, dass dieses Problem nur mit organisiertem, zielgerichtetem Vorgehen, nicht "nur" vor der eigenen Haustür, sondern in erster Linie in Bern gelöst werden muss.

Was die anstehenden Neuerungen gerade auch für den Zugreisenden bedeuten können, wird sich zeigen müssen. Schon im Jahr 2005 wurde in einem SALDO-Artikel dargelegt, welch enormer Dauerbelastung Fahrgäste ausgesetzt werden und so Bahnfahren zu einer Tortur werden kann. So bleibt bisweilen nur zu hoffen, dass man mit der Umstellung der Systeme auch ein angemessenes Konzept verfolgt, was die Belastung der Zugfahrenden auf eine Minimum reduziert. Wir werden uns sicherlich damit auseinandersetzen.

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