Chip: Starke Strahlung
chip.de | 8.12.2004
Mobilfunk-Anlagen: Starke Strahlung auch direkt unter der Antenne
München, 3. Dezember 2004 – Schlechte Nachricht für Immobilienbesitzer, die
auf dem Dach ihres Hauses eine Mobilfunk-Antenne installieren ließen: Auch in
Gebäuden direkt unter den Sendeanlagen können überraschend hohe Strahlungs-Immissionen auftreten. Dies ist eines der Ergebnisse einer seriösen Studie, die das Computermagazin CHIP in seiner neuen Ausgabe zitiert.
Die 117 Seiten starke Analyse der Immissionsverteilung wurde von der in Kamp-Linfort ansässigen IMST GmbH im Auftrag des Bundesamts für Strahlenschutz erstellt. Die Studie zielte darauf ab, typische Feldverteilungen praxisnah zu ermitteln. Die Autoren, Dr. Christian
Bornkessel und Markus Schubert, kommen zu dem Schluss: „Als Ergebnis wurde festgestellt, dass die Immissionen im direkten Umfeld von Mobilfunk-Basisstationen einer großen Streubreite unterliegen.“ So unterschieden sich manche Messergebnisse in Gebäuden binnen weniger Meter um den Faktor 1.000. Wie es weiter heißt, sind viele, bisher als „klassisch“ geltende Regeln in Zweifel geraten: So sei die Leistungsflussdichte („Strahlung“) im Gebäude, auf dem eine Anlage steht, „zwar oft, aber nichts stets kleiner als an umliegenden Messpunkten“.
Bislang fühlten sich die Hauseigentümer auf der sicheren Seite: Experten betrachteten den
Bereich unter Basisstation als relativ strahlungsarm. Denn die Antennen werden so ausgerichtet, dass ein „Leuchtturm-Effekt“ entsteht: Sie strahlen zur Seite ab, um ein möglichst großes Feld abzudecken; der Bereich unter der Sendeanlage sollte eigentlich im Funkschatten liegen – ein Irrglaube. In betroffenen öffentlichen Gebäuden wie Rathäusern, Sporthallen, Kirchen oder auch in Privathaushalten könnte die Studie also für Verunsicherung und Diskussionen sorgen.
Vertreter der Mobilfunk-Betreiber äußern sich in CHIP gelassen zu den Ergebnissen der Studie. Roland Kuntze, Pressesprecher von O2: „Klar kann unter der Antenne ein bisschen was rauskommen. Aber das liegt alles weit unter den deutschen Grenzwerten, die sich ja an den Empfehlungen der Weltgesundheitsorganisation orientieren.“
Laut Ulf Stüwe, Projektleiter beim industrienahen „Informationszentrum Mobilfunk“ gibt es in
Deutschland derzeit rund 60.000 Basisstationen. Für das UMTS-Netz sollen weitere 40.000
Antennen hinzukommen – und dann wäre erst eine Netzabdeckung
von rund 50 Prozent gewährleistet. Gerade die kleinen UMTS-Anlagen zeigen dem CHIPBericht zufolge besonders ausgeprägte Nebeneffekte, die für die chaotische Feldverteilung mitverantwortlich sind. Dies könnte künftige Verhandlungen der Mobilfunk-Provider mit Vermietern erschweren.
