Das grosse Bienensterben

Ausgabe 4. April 2007
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Das mysteriöse Verschwinden
ganzer Bienenvölker, das in vielen Ländern schon seit einigen Jahren anhält, könnte bald gravierende Auswirkungen auf unsere Nutzpflanzen haben.
Diverse europäische und amerikanische Tageszeitungen berichteten im März über ein seltsames Phänomen: Arbeiter-Bienen kehrten nicht mehr in den Bienenstock zurück, worauf die Königin mitsamt der Brut zugrunde ging. Die Wissenschaft hat für diese Erscheinung mittlerweile einen Namen: „Colony Collapse Disorder“ (CCD), was eine bisher unerklärte Störung im Verhalten der Bienen beschreibt.
Inzwischen wird aus der Schweiz, aus der Hälfte der US-amerikanischen Bundesstaaten, aus dem angrenzenden Kanada, aber auch aus Österreich, Deutschland, Südtirol, Spanien, Polen, und Neuseeland über ungewöhnliche Verluste berichtet. 25% bis 50% der US-amerikanischen Imker meldeten Verluste durch CCD [1]. Innerhalb der letzten sechs Monate seien 50% bis 90% ihrer Bienen verschwunden, und die verbliebenen Bienenvölker seien so schwach, dass sie kaum noch Honig produzierten [2]. Bereits 2006 ist die US-amerikanische Honigproduktion um 11% eingebrochen.
In der Schweiz sieht es ähnlich aus: Bereits 2006 meldete die Eidgenössische Forschungsanstalt für Nutztiere und Milchwirtschaft „Agroscope“ (Bundesamt für Landwirtschaft), dass die ganze Schweiz, je nach Region unterschiedlich stark, vom Bienensterben betroffen ist. Jean Daniel Charrière, Agroscope, bezifferte den landesweiten Verlust im Jahr 2003 auf etwa ein Viertel des Bestandes [3]. 2004 bis 2006 gab es wieder ähnlich überdurchschnittliche Verluste [4].
In der Sendung 10 vor 10 am 21. März 2007 auf SF1 wurden zwar keine Zahlen angegeben, die Situation scheint sich jedoch auch dieses Jahr fortzusetzen. Dr. Peter Gallmann von Agroscope rätselte über mögliche Ursachen, die ihm jedoch alle recht vage bis unwahrscheinlich erschienen.

"Stellen Sie sich vor, Sie wachen morgens auf, und 80 Prozent der Nachbarn in Ihrer Gemeinde sind einfach weg." Dr. May Berenbaum, Bienenforscherin an der University of Illinois, zum CCD-Phänomen [1].
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Auf der Suche nach der Ursache
Bei Recherchen findet man verschiedene Ursachen, welche die aufgetretenen Phänomene aber nicht befriedigend erklären können:
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Die verschwiegene Forschung
Eine mögliche Ursache, die elektromagnetischen Felder, wurde bisher von den Schweizer Behörden übersehen. Das österreichische Bundesministerium für Land- und Forstwirtschaft, Umwelt und Wasserwirtschaft schrieb dagegen bereits im April 2006 an den Nationalrat Dr. Andreas Khol:
"Wissenschaftliche Untersuchungen haben nachgewiesen, dass sich niederfrequente elektromagnetische Felder negativ auf Bienen auswirken können." (...)Studien ergeben, dass Bienen in starken elektrischen Feldern von über 4 Kilovolt/m, z.B. unmittelbar unter einer 380 kV Hochspannungsleitung, weniger Honig produzieren, bzw. eine erhöhte Mortalität aufweisen. (Der Grenzwert zum Schutz der Menschen vor Einwirkung durch diese Felder liegt bei 5 kV/m)“ [9].
Folgende Studien untermauern die Aussagen des Ministeriums:
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Abb. 1: Von Diagnose-Funk geschätzte Feldstärke in den vier mit und vier ohne DECT-Telefonen bestückten Bienenstöcken der Universität Koblenz-Landau. Die Bienenstöcke waren in der Pilotstudie nicht elektro-magnetisch abgeschirmt, wodurch auch die unbestrahlten Völker bestrahlt wurden, wenn auch nicht so stark, wie jene im Nahfeld der DECT-Stationen.
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Abb. 2: Bienenstock mit DECT-Basisstation (Bild aus [16]).

Abb. 3: Rückkehrzeiten einiger Völker mit und ohne DECT-Telefon im Stock. Von den Bienen aus „unbestrahlten“ Stöcken kehrten insgesamt 40 % zurück, bei den bestrahlten waren es lediglich 7% ([15], Diagr. aus [13]).
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Abb. 4: Gewichts- und Flächenentwicklung der Waben (aus [13]).
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Abb. 5: Signifikanter Unterschied im Rückfindeverhalten von bestrahlten und unbestrahlten Bienen. Je höher der Index, desto höher die Anzahl der zurückgekehrten Bienen und / oder desto kürzer die Rückkehrzeit (Diagr. aus [16]).
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Erfahrungen der Imker
Prof. em. Dr. Ferdinand Ruzicka, selbst Imker und Autor von Beiträgen in diversen Imker-Fachzeitschriften, sammelte umfangreiche Erfahrungen durch eigene Beobachtungen und Umfragen unter Imkern: „Die Probleme sind erst aufgetaucht, seit in unmittelbarer Umgebung meines Bienenstandes mehrere Sendeanlagen errichtet wurden,“ so Ruzicka. Daraufhin publizierte er in der Zeitschrift „Der Bienenvater“ 2003/9 eine Umfrage [18]:
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Bienenvölker werden nach Ruzickas Beobachtungen durch die Mobilfunkstrahlung so geschwächt, dass sie für diverse Krankheiten anfälliger werden, was auch zum Zusammenbruch der Völker beitragen kann. Denn Bienen gelten, ähnlich den Schmetterlingen, deren Bestand in den letzten Jahren ebenso dramatisch zurückgegangen ist, als sehr fragile Lebewesen. Gemäss Dr. Ruzicka konnten Bienenvölker vor 15 Jahren einen wesentlich höheren Befall an Varroa-Milben verkraften als heute.
NZZ: "Bienen leben länger"…
Bienen sorgen direkt und indirekt für ca. einen Drittel der menschlichen Nahrung, da diese ohne Bestäubung der Pflanzen, (z. B. Obst- und Gemüsesorten, auch Getreide für die Futtermittel der Rinder) nicht gedeihen kann. Bereits heute zeichnet sich ab, dass das Aussterben der Bienen zu erheblichen Komplikationen führen kann. Doch auf warnende Berichte im Tagesanzeiger und im Fernsehen „10 vor 10“ reagierte wieder einmal die NZZ umgehend mit Dementis, Entwarnungen und Relativierung der Sachlage [19]. Der Titel: „Bienen leben länger“ [4].
Dem aufmerksamen Leser fällt dabei auf, dass dies stets dort geschieht, wo Meldungen die Interessen der Industrie tangieren und ein lukratives Geschäft bedrohen (wie z.B. bei Tabak, Zucker, Mikrowellenöfen u.a.). Auf einen Hinweis zum Bienensterben, den die Diagnose-Funk an das Bundesamt für Landwirtschaft abgab, erhielt sie denn auch postwendend einen Verweis auf den verharmlosenden Artikel in der NZZ am Sonntag. Doch wieso versuchen dann amerikanische Farmer bereits, ihre Obstbäume mit riesigen Ventilatoren zu bestäuben? [8]. Ein Farmer aus Pennsylvanien versuchte, Bienenvölker für umgerechnet 18 000 Franken zur Bestäubung der Mandelbäume nach Kalifornien zu bringen, doch als er dort ankam, war keine einzige Kolonie mehr am Leben [8].
Evi Gaigg, diagnose-funk
Referenzen
[1] „Where have all the bees gone?“, New Scientist, 22. März 2007. http://www.newscientist.com/channel/life/mg19325964.500-where-have-all-the-bees-gone.html
[2] „The mysterious death of the honey bees“, CNN Money, 29. März 2007. http://money.cnn.com/2007/03/29/news/honeybees/index.htm.
[3] „Rätselhaftes Massensterben“, Zürichseezeitung, 5. Mai 2006.
[4] „Schweizer Bienen leben länger“, NZZ am Sonntag, 25. März 2007.
[8] „Sag mir, wo die Bienen sind?“, Tagesanzeiger, 14. März 2007, http://tages-anzeiger.ch/dyn/wissen/umwelt/729927.html)
[9] Bundesminister Josef Pröll in der Anfragebeantwortung vom 27.4.2006 an den Präsidenten des Nationalrates Dr. Andreas Khol, Parlament, 1017 Wien
[10] Warnke, U.: Physikalisch-physiologische Grundlagen zur luftelektrisch bedingten „Wetterfühligkeit“ der Honigbiene (Apis mellifica). Diss. Saarbrücken 1973
[11] Eskov, E. K., Sapozhnikov, A. M.: Mechanisms of generation and perception of electric fields by honey bees. Biophysik 21(1976)6, 1097-1102.
[12] Popp, F.A., Warnke. U., König, H.L., Peschka, W.: Electromagnetic Bio-Information, München: Urban & Schwarzenberg 1989
[13] Stever, H. , Kuhn, J., Otten, C., Wunder, B., Harst, W. : Verhaltensänderung unter elektromagnetisher Exposition. Landau: Arbeitsgruppe Bildungsinformatik, http: //agbi.uni-landau.de.
[14] Co-Autor Dr. Jochen Kuhn im Interview mit dem IZGMF, http://www.izgmf.de/Aktionen/Meldungen/Archiv_05/bienen/bienen.html.
[15] E-Mail des Co-Autors Wolfgang Harst vom 31. März 2007 an Diagnose-Funk [16] Stever, H., Kimmel, S., Harst,W., Kuhn, J., Otten, C., Wunder, B.: Verhaltensänderung der Honigbiene apis mellilfera unter elekromagnetischer Exposition. Landau: Arbeitgruppe Bildungsinformatik. http: //agbi.uni-landau.de. http://www.izgmf.de/Aktionen/Meldungen/Archiv_05/bienen/bienen.html
[17] E-Mail des Co-Autors Wolfgang Harst vom 29. März 2007 an Diagnose-Funk. Beim Vorversuch mit 1 km Entfernung kamen keine Bienen am Stock an, deshalb reduzierte man die Entfernung auf 500 Meter, was jedoch in der Dokumentation der Studie vergessen wurde zu korrigieren.
[18] http://www.mikrowellensmog.info/bienen.htmlund Korrespondenzen mit Diagnose-funk.
[19] „Wird die NZZ zum Sprachrohr der Mobilfunkindustrie?“ http://www.diagnose-funk.ch/politik/00000098130868502/033ea298c80012205.html
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